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Lundaland

Easy like sunday morning - Sanfter Tourismus für das 21. Jahrhundert

von A. J. Weigoni

Der Realität entrückte Märchenwelt. Das Land, wo Milch und Honig fließen. Twilightzone. Elfen flüstern, magische Zeichen erinnern an uralte Zeiten. Inmitten von sphärischen Klängen und diffusem Licht eine engelsgleiche Stimme, Pia Lund. Ungreifbar, betörender Lorelei-Gesang, eine eigene Welt.

Mit Lundaland legt sie ein konzeptionelles Album vor, das massiv attackiert, sozusagen. Madonna mia, plumpe Vergleiche zum zeitgeistlichen Trend wollen wir doch lieber vermeiden, kommen aber nicht umhin, auf die offensichtliche, gleichzeitig kommerzielle wie innovative Art der Produktion hinzuweisen. Dem Output der deutschen Musikszene weit voraus, ist Lundaland eine Reise in relaxte, elektronische Gefilde, an soulige Gestade und durch sphärische Weiten.

Weder schmalzig noch intellektuell überfrachtet saugen sich die Songs an den Synapsen fest, gleiten leise, doch kraftvoll in das Unterbewußtsein und ziehen dich von einem Paralleluniversum ins nächste. Und du läßt dich gern treiben, leicht wie an einem Sonntag morgen. Lundaland ist in dir selbst oder in der Nähe von Köln. Im legendären Can-Studio, dort, wo Musikgeschichte geschrieben wurde und wird, entstand der Feinschliff. Produziert von René Tinner, Can-Experte, der auch Hand an Whirlpool Productions legte, dessen Hans Nieswand einige Gitarrenparts beisteuerte. Ebenso wie Blast Murray, der Kopf der Heads, hervorgegangen aus den genialen Talking Heads. Junggenie Jake Bullit, der Musik als Puzzle betrachtet und aus dem reichhaltigen Fundus des Pop schürft, wurde mit der Programmierarbeit am Rechner betraut.

Die Perlen vom Grunde des Lundaland Meeres sind eine poetische Reflexion über die fin-de-siècle-Stimmung und weisen gleichsam schon über sie hinaus. Natürlich ist es Rock'n'Roll , aber einen Unterschied macht es schon, wenn eine Frau, wie in "Charlamane", eine Hure philosophieren läßt, wir bei "Uh Uh Yeah" am Strand hin und her gerissen sind und uns bei "Shining Bright" an der verletzbaren Aussenhaut zur Welt bewegen. Die Stücke haben eine, im besten Sinne, intime Stimmung, gleiten aber nie ins exhibitionistische ab. Sicherlich kann man "Dear Mary" als eine akustische Ermutigung an eine gute Freundin hören, einen gesungenen Brief. Es gilt mit "The Very Heart" die innere Kraft zu entdecken und sich wiedergeboren zu fühlen und sie liefert sich mit "The Kiss" der widersprüchlichen Auseinandersetzung zwischen Verstand und Gefühl aus. Aber das ist genauso beiläufig wie die Verwendung von "Venus Chrystal", dem schönsten Liebestext, den Phillip Boa je geschrieben hat. Pia Lund verfügt über eine Gelassenheit, mit der sich die Einsamkeit und Fantasie in der Nacht, wie in Illusion, aushalten läßt. Sie scheint zwischen den Zeilen sardonisch zu lächeln, wenn sie in "Forever" "i could have lived for you / i could have died for you" zwitschert. Nach dieser kraftvollen Referenz lässt sich mit "How a Flower Grows" eine entspannte, poetische Sichtweise über die Hinwendung zum Licht einstreuen und zum guten Schluss steigt sie selbst auf das weiße Pferd, und verschwindet im Nebel. Küsse viele Frösche, vielleicht kommt der "Prince" ja doch noch. Laß die ausgetretenen Pfade hinter dir und begleite uns ins Lundaland, hier lässt es sich entspannt leben. Auch nach dem siebten Hören wird man sich auf Neues freuen können.